Christine Kappe

Es ist alles sinnlos geworden

Es ist alles sinnlos geworden
Schon das Datum stimmt nicht
Ich bin wieder nachhause gefahren deswegen
Einen Kuss wolltest du mir nicht geben
Deine Mutter heute morgen mit dem Krankenwagen weg
Verdacht auf Corona
Dein Vater versteckte die Haustürschlüssel und verstand das alles nicht
Dabei untermauerten wir doch seine Verschwörungstheorie
Mit Gesichtsmasken und Einmalhandschuhen
Jetzt wartest du dort, dass die Straßenlampen ausgehen
Vorhin die ganze Zeit nur aufs Navi geglotzt
Als ob du den Weg zu deinen Eltern nicht wüsstest
Zu jedem Abzweig noch eine Geschichte gehabt
Während Google nur wusste, wieviel länger alles dauert
Im Vergleich zum direkten Weg
Ins Nirwana

30. März 2020 03:28










Hendrik Rost

Sofortmaßnahmen

Immer wenn ich gut drauf bin,
krieg ich Schnittstellen. Monströs viele mögliche Symptome, nur weil es Risikolippen gibt.

Ich summe dann ein Leid für die klinischen Götter in mir: Macht mich, olala, immun gegen unverrichtete Sinne.

27. März 2020 05:56










Konstantin Ames

Postpoetry fürs Ellbogengesellschaf

Es gibt sie also doch. Klein oder in Erwachsechsenschrift. Lustiges Spreu.
Zur Lyrik aufgedonnert. Ohne spürbares Publikum.
Drei. Eh. Gähn.
Sie muss. Elektrisch. Und sie muss nicht neu sein, nur scheu.
Wir wollen husten gehen, kumm!
Feil. Eh. Gähn.
Q. Wissen Sie, was mich etwas beunruhigt, hm?
I. Was denn? Na? Ey, ich, also, ich muss zur Simulacrenschicht …
Q. DIE SEUCHE! DIE SEUCHE! DIE SEUCHE!
Feil Butter, das letzte systemrelevante Zeitungsgedicht.

25. März 2020 10:51










Hendrik Rost

Absence of Evidence is not Evidence of Absence

24. März 2020 08:15










Christian Lorenz Müller

DRINGENDE INFORMATION DES SPRACHGESUNDHEITSAMTS!

Das Wichtigste ist es jetzt, Distanz zu halten!
Ein Wort steckt zwingend das andere an,
ohne konsequente Abgrenzung
ist das nicht zu vermeiden!
Großversammlungen von über tausend Wörtern
sind schon seit langem verboten:
Alle Romane, Novellen, Erzählungen!
Einhundert Wörter waren vorletzte Woche noch erlaubt,
also die allermeisten Gedichte,
ein paar kurze Sagen oder Märchen.

Ab sofort wird die Versammlungsfreiheit
auf fünf Wörter eingeschränkt!

Schreiben Sie bis auf Weiteres nur mehr
unvollständige Aphorismen oder halbe Haikus.
Verzichten Sie insbesondere auf Konjunktionen.
Übertriebene Komposita werden sofort
von der Polizei aufgelöst, Adjektivpartys
mit hohen Bußgeldern belegt.

23. März 2020 09:03










Hans Thill

Textikel

DAS QUECKSILBER, so rasch wie edel, insgesamt Metall. Wir aßen von Gabeln. Wir sagten Geben Geben Geben, es war im Krieg im Kreis der Familie, als das Fieber aufkam. Man geht spazieren am Fluß und oft sind die Überbringer von Nachrichten weiblich, haben auch sonst ein lockeres Geld, mal braun mal weiß aus dem Täschchen die grünen Scheine. Mit etwas Kraft ist der Schuh schon gelöst, auch wenn die Bindung ein Kleber ist, der noch mit den Jahren härtet. Den Boden berühren ist eine Kunst, ebenso die Sprünge der Temperatur, es war Oktober, ein Anfang mit herbem schmalem Gold. Das Fracksilber. Das Klappsilber. Das Sprungeisen

22. März 2020 11:41










Andreas H. Drescher

Complicius im Kapp-Putsch

21. März 2020 23:37










Mirko Bonné

Krise

Im Innenhof blüht in der Krise
um Ansteckung, Atemabstände,
Hustentod, Ausgangssperren
Passierscheine und Liefer-
engpässe rosig, rot bis
lila abends bei Dämmern,
luftig aufgefächert ein Baum,
darin scharen sich wild umeinander
die jungen Stare zusammen und erfinden
bis tief in die Nacht hinein ihre unverstanden
wunderherrlichen Lieder. Es ist Zeit. Zeit ist es.
Zeit, Zeit, singen sie grün funkelnd und achten
weder des Lärms von den Balkonen noch
der Stille. Baum. Blüht. Ist Blütenkleid.
Traum. Zeit. Traum immer wieder.

Für Konstantin Ames

*

20. März 2020 22:57










Konstantin Ames

Stadtfrühlingslied (nach Laurenz von Schnüffis „Auf, träge Seel!“)

Versammlungen von mehr als 1 Vogel + 1 Vogel + 1 Vogelgel
sind Vorboten. Mit Preisen übersäte Gedichte sollten sich diesem hier
nicht zu sehr nähern. Anthologien sind aus hygienischen Gründen sofort
aufzulösen. Auf der Salzsäule da steht Salzsäure.

Alle Hosen sind schon Hemd, alle Hemden Hose.

Euer Kaufleuteminister entsichert für Gedichte keine Bazooka, nur
Handfeuerwaffen … wenn Ex-Expressionisten das Wort (auf Skiern)
Kultur hören, entsichern sie ihre Elisabeth Browning. Eure
Geduld mit uns ist erschöpft. Barrikaden aus Klopapier, Atemmasken, Mehl.

Alle Hosen sind schon Hemd, alle Hemden Hose.

20. März 2020 12:06










Hendrik Rost

Posthumaner Berufsverkehr in Hamburg

20. März 2020 06:32










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