Hans Thill

Zettel

zettel helden

25. April 2018 21:08










Thorsten Krämer

Du hast mir den Arm verrenkt, aber

ich habe noch einen zweiten, dritten und
fünften (der vierte ging schon im Vorjahr
kaputt), ich bin ja inzwischen mein eigenes
Ersatzteillager. Also gräm dich nicht, liebste

Knochenbrecherin, und verhalte dich bloß nicht
sanfter als sonst. Auch die Mücken fliegen weiter
dieselben Manöver, sie zeigen mir die Ungereimtheiten
meiner Haut. Und was zeigst du mir, verehrteste

Expertin? Hast du im Portemonnaie jetzt endlich
den Trainerschein? Die leichteste Übung ist
immer die nächste, ich hole tief Luft und lege
zwei Finger auf die Stoppuhr. Komm, wir üben

Karate mit Karacho, ein Handgemenge unter
verklärten Bedingungen.

25. April 2018 09:49










Christine Kappe

Später?

Später Ikarus
(Daedalus früher)
Nichts ist für immer geklärt
Moskau-Berlin 6,50 Euro
Stell dir vor, die Fenster wären die Filme & die Filme die Fenster
Du & ich abends in der Küche
“Spiegelt sich dort hinten unsere Lampe oder ist das ne eigene?”
“Das ist, glaube ich, ne eigene.”
P.s Begrüßung mit Kuss (ohne Hals) (meinen)
“Denken verbraucht Vitamine” (Tom)
wer sagt
dass Herzen
versucht
werden müssen
Träume, dass wir auf einer Baustelle vorm Haus schlafen. & du mich zu dir ranziehst, mich wärmst. “Du hast doch nichts dagegen.” & er hat dünne Beine
Jeder ist jemandes Engel

25. April 2018 05:49










Nikolai Vogel

Fragmente zu einem Langgedicht

Vorhaben, die man auf später verschiebt

23. April 2018 18:02










Andreas H. Drescher

HIRSEDIEB

Das Glück der Vogelscheuche wo
sie Bussarde trägt ein Staunen Bern
hards vor den Fransen der Roggen
muhme hat er Dorrendes gesehen
durchs UV von Mäusepinkelspuren

Freunde sind sie vor dem einen
Bein das Holz ist und das Kralle
ist wo es so fruchtgelb ragt das
Tropfen das die Krempe fiedert
im Scharren der Ähren-Daunen

21. April 2018 00:33










Christine Kappe

ohne zu zögern

Es gibt aber Menschen, die würden das nie zugeben
erst recht nicht suchen
zB. Kulis in vollgestopften Taschen
Meine Freundin Marry gehört dazu
Und der Herr, der Arno & mich noch mit in den Fahrstuhl lässt
Macht eine Geste, als würde er es damit nicht nur beschleunigen
sondern erlauben
Die morgendlichen Straßen sind nass, ohne dass es regnet
Fahrzeuge rollen ohne zu zögern in den Tag

20. April 2018 07:02










Nikolai Vogel

Über die Fragmente zu einem Langgedicht

“Fragmente zu einem Langgedicht”, aus dem handschriftlichen Manuskript, ab 6. April 2018. Erste Verse hier in den Goldenen Fisch gestellt. Und wie weit, wie viel veröffentliche ich hier? Wollen alle doch immer die Erstveröffentlichung. (Stipendien, Literaturzeitschriften etc.) Nachzuvollziehen und dennoch kommt es auf die Zusammenhänge an, müssen noch andere Entstehungsgeschichten möglich sein. Wie sich Texte vortasten und verästeln – wenn sie nicht bis zum Schluss in der Einsamkeit bleiben.

17. April 2018 14:53










Nikolai Vogel

Fragmente zu einem Langgedicht

und so viele Menschen haben schon Geschichte geschrieben

das heißt fast immer, anderen etwas angetan

so viele Namen
die ich hier nicht aufzählen will

17. April 2018 14:52










Andreas H. Drescher

SPIEGELSCHRANK I

All dein Unglück passt
in den Toupierkamm mit
dem du dich unter der
Frisur kratzt die vor wie
nach hoch ist so hoch
dass sie an der Wolken
bildung mitwirkt bildung
von heute an mit einem
ganz kleinen b wie poren

16. April 2018 23:18










Thorsten Krämer

Ein Käfig für elf Arten von Traurigkeit

Die Schalen von zwei Kilo Schwarzwurzeln, ein Büschel Haare, eine Bleistiftmine, eine Handvoll Hasenkot, fünf Kopfschmerztabletten, 50 cm Kordel und ein Lorbeerblatt sehr fein schneiden und in etwas Öl anbraten. Mit reichlich Rotwein ablöschen, eine Viertelstunde weiter dünsten und dann passieren. Anschließend langsam zu einem Jus reduzieren. Mit diesem dann nach Belieben die acht Eckpunkte des Käfigs markieren.
Die elf Arten von Traurigkeit, für die dieser Käfig geeignet ist, lauten:
- die Traurigkeit eines Influencers in der Wüste
- die fünffüßige Traurigkeit
- die Traurigkeit, die ein frankophiler Elvis-Imitator nach seinem ersten Auftritt verspürt
- die Traurigkeit, die sich anfühlt wie eine kleine Raupe, die man an einem Montagmorgen in seinem Federmäppchen findet
- die ihr baldiges Verschwinden antäuschende Traurigkeit
- die silberne Traurigkeit
- die Traurigkeit einer strahlenden Herbstmaschine
- die Traurigkeit, über die man nicht spricht
- die Traurigkeit eines kernsanierten Fundbüros
- die andere Traurigkeit
- die Traurigkeit, deren rechter Ärmel ein bisschen zu lang ausfällt

16. April 2018 10:28










 1 2 3 4 5 ...184 185